KG-Insider: UFC Zagreb ein liebevoller Event – was kann Deutschland daraus lernen!

Letztes Wochenende besuchten wir für euch das Kroatien-Debüt der Ultimate Fighting Championship (UFC) in Zagreb. Gezielt im Hinblick auf den nächsten Anlauf der US-Amerikaner in Deutschland, welcher im Herbst dieses Jahres stattfinden soll, möchten wir einen Erfahrungsbericht schreiben.

Auffällig war insgesamt die Entspanntheit in Kroatien im Vergleich zu anderen von uns besuchten UFC-Events wie Boston oder Berlin. Die Securities waren zwar meist nicht englischsprachig, ließen sich aber nie auch nur annähernd Stress anmerken. Die Bewirtung im Pressebereich war liebevoll dekoriert und hätte mit einem 5 Sterne Hotel konkurrieren können, das kroatische Eventpersonal war mehr als freundlich.

Die Event-Organisation an sich entsprach dafür nicht auf den sonst so perfekten UFC-Standards. So saßen etwa Fans im Pressebereich, die aufsprangen, sobald einer ihrer Landsleute auf die Waage ging. Auch das Programmheft bestand nur aus einem beidseitig bedruckten DIN A 4 Blatt, wird man bei der UFC sonst mit aufwendig gestalteten, mehrseitigen Marketingutensilien verwöhnt. Dennoch tat dies dem Event keinen Abbruch, wirkte nur etwas unbekümmert. Verglichen zu Deutschland weckte diese Einfachheit sogar eine gewisse Sympathie. Die deutschen Events waren bisher übertrieben mächtig und folgten eher der Devise "mehr Verpackung als Inhalt".

Interessanterweise war das Wiegen samt der Fragerunde an die Gastkämpfer von einem kroatischen Sprecher gehalten, der auch immer wieder in seine Muttersprache wechselte. Die Promo-Videos, die auf dem Event vor den Kämpfen liefen, hatten kroatische Untertitel. Das war somit das erste Event, welches ich besuchen durfte, wo die UFC nicht zu 100% die “amerikanische Keule“ schwang, was auch in Deutschland meiner Ansicht nach ein guter Ansatz sein könnte. Darüber hatten wir schon in unserem Artikel über die letzte UFC in Berlin berichtet - es ist daher sehr zu begrüßen, dass auf die einzelnen Sprachen mehr Wert gelegt wird.

Problematisch war die Fightcard aus kroatischer Sicht. Mit Igor Pokrajac holte man einen eigentlich ausrangierten Kämpfer zurück, der von seinen letzten fünf Kämpfen in der UFC vier verlor, drei davon vorzeitig. Der Mann aus Zagreb machte trotz seiner 37 Jahre einen beachtlichen Fight gegen den Polen Jan Blachowicz. In puncto Kämpferherz macht Igor keiner was vor, es war der emotionalste Fight des Abends. Auch der zweite Heimkämpfer, Filip Pejic unterlag und erwischte dabei einen schlechten Tag. Er zog mit RNC gegen Damian Stasiak, ebenfalls ein Pole, den Kürzeren.

Für die vielen österreichischen Fans verlief es erfreulicher, hatte man mit Mairbek Taisumov einen Wiener Kämpfer im Aufgebot. Der gebürtige Tschetschene war trotz eines für ihn zu schwachen Gegners technisch gesehen für mich der kompletteste Kämpfer des Abends. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis er sich in die Top 5 im Leichtgewicht vorarbeitet.   

Die sehr nationalstolzen Kroaten ließen nach den beiden Niederlagen ihrer Kämpfer überraschenderweise nicht den Kopf hängen. Die Halle feuerte vielmehr Junior Dos Santos im Mainevent an. Cigano-Sprechchöre, der Kampfname des Brasilianers, schallten durch die Halle. Hier sieht man wie wichtig der Mainevent ist, kämpften hier mit Rothwell die Nummer 4 gegen den ehemaligen Champ Dos Santos, vor dem Fight die Nummer 6 der UFC-Schwergewichtsklasse - ein international hochrelevanter Kampf somit. 

Im Herbst braucht es auch so ein Aushängeschild im Mainevent, was verdeutlichen würde, dass Deutschland wirklich ein relevanter Markt ist. Worten müssen nun Taten folgen. Den deutschen Kämpfern sollte man ruhig starke Gegner stellen. Viel lieber sehe ich einen Veteran wie Pokrajac, der am Ende seiner Laufbahn unfassbares Kämpferherz zeigt, als einen ungefährdeten Punktesieg eines Heimkämpfers.

Abschließend ist zu sagen, dass man immer wieder Einblendungen des Fightchannels, einer kroatischen Kampfsportplattform, auf den Videoleinwänden sah. Der UFC-Europa-Chef betonte bei der Pressekonferenz nochmals, wie viel dieses Medium für die Promo des Events getan hat. Vielleicht kann ranFighting über Pro7/Sat1 hierzulande der entscheidende Schlüssel werden.  

Mit etwas mehr Lockerheit, einem soliden Mix in der Fightcard sowie einem starken lokalen Media-Partner sollte der UFC-Erfolg auch in Deutschland kein Problem sein. Im kleinen Kroatien strömten mit diesem Konzept zumindest knapp 14.000 Fans am vergangenen Sonntag in die Halle. Für die europäische MMA-Szene ist dies sicher ein richtiger Schritt nach vorne und wird die UFC hoffentlich noch mehr motivieren, weitere Events mit größerer Frequenz in Europa abzuhalten. Für Deutschland erhoffen wir uns ebenso einen guten Mainevent und starke Gegner für unsere Lokalmatadore.

(Text und Bild vom Wiegen via Ramsi)