KG-Insider #UFCRotterdam: Hamburg ist bereits geschlagen!

TestDes

Die UFC Europe Erfolgswelle hält unter dem neuen General Europe Manager, James Elliott, weiter an. Betrachtet man die gestrige Veranstaltung, ist sogar ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen - UFC Rotterdam war ohne weiteres ein Bilderbuchevent.

Zahlenmäßig hätte es für das Debüt auf dem holländischen Markt nicht besser laufen können. Die Halle war bekanntlich nach wenigen Stunden nahezu ausverkauft. Laut der UFC haben letztlich 10.421 Zuschauer den Event besucht, was ein Umsatzvolumen durch Ticketverkäufe IHv. 1.523.320,-- USD generierte. Dana White gab über Instagram bekannt, dass hierdurch der interne Rekord der Ahoj Arena gebrochen wurde, der bisher, aus dem Jahre 1989 stammend, von niemand anderes als Frank Sinatra gehalten wurde, glaubt man jedenfalls dem UFC-Präsident.

Aber auch im Octagon lief alles genau so, wie es sich die UFC vermutlich vor dem Event ausgemalt hätte. Die drei Holländer Alistair Overeem, Stefan Struve und Germaine de Randamie gewannen vorzeitig durch massive Schlagtechniken. Nur Overeem musste für sein TKO überhaupt in die zweite Runde gehen, die anderen beiden KOs erfolgten noch in Runde 1 – Struve brauchte nur 15 Sekunden bis der Referee die Salve von Ellbogen beendete. Hierfür bekamen alle drei Kämpfer auch jeweils einen 50.000 Dollar Bonus für den Fight of the Night gutgeschrieben.

Neben der sportlichen Leistung der drei Holländer wussten sie auch in puncto Show mehr als zu überzeugen. Besonders die zigfache Thaiboxweltmeisterin Germaine de Randamie fuhr ein Programm auf, von dem sich so ziemlich die komplette männliche UFC-Riege eine Scheibe abschneiden sollte. Obwohl ihre Gegnerin, Anna Elmose, eine UFC-Debütantin aus Dänemark, mit ihrer untersetzten Figur und einer Bilanz von 3 zu 0 im Pro-MMA wie eine Aufbaugegnerin wirkte, war Germaine alleine gestern schon das Eintrittsgeld wert. Schön auch, dass die UFC jetzt mehr auf die Nationen eingeht und bspw. vor dem Mainevent unter dem holländischen UFC-Banner die Nationalhymne spielte, was das Publikum sichtlich begeisterte.

Die restliche Fightcard war immens interessant für Insider. Man sah einem im Striking deutlich verbesserten Gunnar Nelson, der aktuell wohl mehr von der Zusammenarbeit mit Conor McGregor profitiert, als die Cashcow der UFC selbst. Deutlich zu sehen waren die Einflüsse des irischen Superstars, welche “Gunni“ allerdings mit seinem Lieblings-Takedown und Lehrbuch-BJJ erst zum Erfolg verknüpfte. Er konnte mit Albert Tumenov einen Mann in Runde 2 durch RNC submitten, der zuvor die letzten fünf Fights in der UFC gewinnen konnte. Bemerkenswert auch, dass der für Nick Hein eingesprungene Josh Emmett gegen den auf mich sehr arrogant wirkenden Jon Tuck gewonnen hat. In der Form hätte Tuck gegen Hein kein Land gesehen, der von Statur und Kampfstil Emmett doch ähnlich ist, welcher mit soliden Kickboxtechniken und Distanzgefühl den Fight trotz Verletzung nach Hause schaukelte. Achtgeben sollte man in Zukunft auf den Schweden Magnus Cedenblad sowie den jungen Ukrainer, Nikita Krylov, die beide nach Ihren vorzeitigen Erfolgen von gestern eine UFC-Siegestrecke von vier Kämpfen in Folge vorweisen können.  

Bekanntlich heißt die nächste UFC-Station Deutschland. Am 3. September geht es erstmals nach Hamburg. Und man wird sich mit dem holländischen Event messen müssen, konkurrieren die europäischen Länder untereinander auch um die quantitativ begrenzten UFC Europe Events.

Der deutsche MMA-Pool kann nüchtern betrachtet aktuell nicht wie die Holländer drei Kämpfer für das Hauptprogramm stellen. Hinsichtlich Show und Zuschauerinteresse sieht es sogar noch schlechter aus. Im Prinzip ist die UFC Deutschland aktuell eine One Man Show. Nick Hein macht sogar eine gute Figur, wenn er verletzt ist, hat er sich bei dem Wiegen als Stargast erneut eloquent gezeigt. Die anderen nationalen Publikumslieblinge wie Abu Azaitar oder Leistungsträger wie Stephan Pütz stehen bekanntlich nicht unter Vertrag. So betrachtet, wird es schwer werden, eine derartige Eigendynamik im Publikum in puncto Identifikation und Begeisterung zu schaffen. Es wird vermutlich entscheidend sein, dass Nick Hein zum Hamburg-Event wieder einsatzfähig ist. Dazu braucht es große Namen auf der Fightcard, um das Defizit an deutschen Stars zu kompensieren.

Aber auch im besten Fall werden wir den Event von gestern meiner Einschätzung nach nicht toppen können. Die Holländer führen 1 zu 0 und haben Dutzende von international hochklassigen Kickboxern, welche in der nahen Zukunft auch an die Octagon-Tür klopfen werden.  

(Bild: Germaine de Randamie via Ramsi)