Ettl Bros schieben aus Graz den deutschen Amateursport an!

Erst vor kurzem führte ich ein Telefonat mit einem der erfolgreichsten MMA-Trainer in Bayern. Es ging um Amateurmeisterschaften und er klagte mir sein Leid. Was würde es bringen im Ausland bei Amateurturnieren zu kämpfen, wenn man auf allen Kosten am Ende sitzenbleibt?

Nun ja, das ändert sich nun, zumindest für einige der der größten Talente in Deutschland. Die Ettl-Brüder aus Graz werden fünf deutsche Kämpfer für die nächste IMMAF-EM in Rumänien sponsern, sprich alle Kosten vollumfänglich übernehmen. In anderen Sportarten dürfte man dies belächeln, im Kampfsport bedeutet dies viel, muss man hier üblicherweise für Turniere im Ausland selbst bezahlen.  

Aber der Support der Gebrüder Ettl bezieht sich nicht nur auf das Finanzielle. Sie werden auch als Trainer der deutschen Nationalmannschaft fungieren, die in Deutschland unter dem GEMMAF-Banner läuft.

Jetzt darf man sich fragen, warum Gerhard und Michael, die noch dazu aus dem fernen Graz stammen, das weitaus näher zu Ungarn als zu Deutschland liegt, die deutsche Szene in dem Umfang überhaupt supporten.

Mehrere Sprachnachrichten von Gerhard Ettl, dem Älteren der beiden Brüder, machten es mir deutlich. Der Mann, der selbst bereits 2001 in St. Petersburg nach limitierten Regeln im Cage kämpfte, hat eine Vision für den Amateursport. Er hat erkannt, dass der Trend wie im Boxen Richtung Amateursport geht, wo man erst einmal 20,30 bis hin zu 100 Kämpfe bestreitet, bevor man zu den Profis wechselt. Er bringt an, dass die Einträge in den Datenbanken verwässern und die Scouts der großen Events immer mehr dazu gehen, die Talente auf den großen IMMAF-Turnieren zu scouten, bei denen die Finalfights sogar auf dem Fights Pass übertragen werden. Und er hat auch erkannt, dass die deutsche Szene von der Wurzel krankt. Trotz einer florierenden Profi-Eventszene spielen in Deutschland nur ein paar Athleten auf dem internationalen Parkett überhaupt eine ernstzunehmende Rolle. Und das Wichtigste in diesem Zusammenhang ist wohl, dass er Deutschland und Österreich schon immer in einem brüderlichen Verhältnis sehe.

Doch woran liegt es eigentlich, dass die GEMMAF, die den weltweit anerkanntesten IMMAF-Verband angeschlossen ist, dem die große UFC nahesteht, in Deutschland bisher keinen durchschlagenden Erfolg hatte.  

Ein Grund ist sicher, dass die deutsche MMA-Szene seit Jahren sehr gespalten ist. Zwischen den nördlichen und südlichen Teil herrscht seit jeher ein Ungleichgewicht, was auch an einem jahrelang einseitigen Mediensupport lag, welcher NRW zum Mekka des deutschen MMA machte, wodurch die Kämpfer aus dem Süden ins Hintertreffen gerieten. Der Freistaat Bayern lief stets separat, über unsere Aggrelin-Serie wurde etwa wenn überhaupt nur sporadisch berichtet. Die IMMAF hat sich nicht wirklich aus dieser Rolle befreien können, spielt der Verband sie im Süden der Republik eine untergeordnete Rolle.

Was sicher auch schlecht mitgespielt hat, war die stark preußische Herangehensweise der IMMAF, zumindest konnten wir das bei der Zusammenarbeit mit Aggrelin erfahren. Man versteckte sich hinter Titeln und Ausbildungen und hob das Ganze auf ein professionelles Niveau, welches sicher bei einer UFC notwendig ist, aber bei regionalen Events eher die ganze Mannschaft aus der Ruhe bringt. Noch dazu, wo die Referee-Leistung der Akteure trotz der propagierten Ausbildung nicht unbedingt besser war als die der bewährten Kräfte, möchte man es nett formulieren. Man verpasste so die Chance mit Events zusammen zu wachsen, da man sich eben zu sehr hinter den eigenen Referenzen "versteckte".

Und genau hier kommt nun Gerhard Ettl ins Spiel. Ein Mann, der dafür bekannt ist, dass er auf Referenzen keinen Wert legt , sondern stark auf sein Bauchgefühl hört, bei welchem er sehr oft richtig lag. Wie etwa bei Nebil Sebai dem er als Neuling die Chance als Referee gab, mittlerweile gilt der Wiener als bester Referee in Österreich. Zudem hat die GEMMAF nun jemand der bei den Pseudo-Feindschaften in Deutschland außen vor ist, er kann die Aufgabe neutral angehen. Mit seinem Bruder Michael kommt zudem noch eine enorme Wettkampferfahrung hinzu, wodurch die sportliche Entwicklung der Athleten optimal gesteuert werden kann.   

Wir wollen den Artikel an dieser Stelle beenden, um nicht unnötig Vorschusslorbeeren zu verteilen, aber die Chancen stehen nicht schlecht, dass sich die ungewöhnliche Konstellation ausgehen könnte.    

Alle offiziellen Infos stehen auf der GEMMAF-Facebook-Seite (Bild: Ettl-Talent Florian Aberger mit GNP in München in 2016 via Roel Fleuren, Text via Ramsauer).